Protestwellen schlagen hoch

Die ganze Welt ist gerade anscheinend unzufrieden. Warum auch nicht? Und vor allem: War es je anders?

Denn auch in Deutschland gibt es gerade breit angelegte Protestwellen. Und ausnahmsweise geht es hierbei nicht um unterbezahlte Lokführer oder, wie in Spanien, um existenzfürchtende Fahrer von Taxen: Nein, bei uns geht es den Leuten um unser Klima.

Und ich stelle direkt vorweg, dass ich hier meine eigene Position vertrete – denn Justus hat eine andere, was sein gutes Recht ist.

Über 8.000 Personen waren am Freitag in Münster unterwegs. Ich glaube, dass nicht mal 10% von diesen exakt wissen, wogegen sie protestieren. Und damit meine ich nicht „Diesen Vorschlag der Kohlekommission…“. Nein: Wogegen bedeutet Wogegen?

Einige Reaktionen im Netz oder in direkten Gesprächen zeigen, dass sehr viele gar denken, dass ein Kompromiss von Umweltverbänden, Politikern und Vertretern der entsprechenden Wirtschaftsbranche dasselbe zu sein scheint wie ein umweltunverträglicher, anscheinend sogar schon beschlossener, Gesetzesentwurf einer klimaverachtenden Regierung.

Leider stimmt das halt überhaupt gar nicht. Und so sind viele in der Menge für mich viel zu uninformiert, um sich über das Thema auslassen zu können. Allein die Zusammenarbeit – auch bei der Energieversorgung – würde einen direkten Kohleausstieg unglaublich unsinnig werden lassen – und zeitgleich zum Konjunkturprogramm für Kohlekraftwerke und Atomreaktoren im direkten EU-Ausland.

Und so ist dieser Protest für mich sogar vergleichbar mit einigen amerikanischen Bürgern, die im November 2016 Donald Trump zum US-Präsidenten wählten und nun im Shutdown für eine Mauer sehen, wohin es führt, politische Lügen zu glauben. Natürlich ist der Schutz vor dem auf jeden Fall realen Klimawandel als Ziel für Massenkundgebungen deutlich löblicher als Fremdenhass und Gewaltlosigkeit besser als aggressive Ausschreitungen.

Dennoch denke ich, dass es den meisten dort einfach nur um das Gemeinschaftsgefühl geht. Man hat ein Ziel, was nicht sonderlich konkret ist, und selber keine Ahnung, möchte aber etwas unternehmen. In Frankreich protestieren schließlich schon seit Monaten die Gelbwesten. Und auch wenn deren erstes Ziel erreicht wurde, geht der Protest jetzt ganz allgemein gegen „Macron und seine Politik und so…“ weiter. Wofür haben wir denn Wahlen in einer Demokratie?

Und das Wahlrecht gehört ja auch in Deutschland zu einem unser wichtigsten Rechte überhaupt. Verankert im Deutschen Grundgesetz, dem höchsten aller deutschen Gesetzbücher. Und darin liegt auch eine der größten Verwirrung zum Thema FridayForFuture, die ich in dieser Woche hatte.

Denn nach offiziellen Anweisungen zählt wohl für die Schüler eine Schulpflicht, die im Landesgesetz festgeschrieben ist, mehr als die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit aus dem Grundgesetz, ein Recht, dass man eigentlich von Geburt an besitzt. Und während sich die Länder weiterhin vehement dagegen wehren, dass ihnen der Bund Geld für eine bessere Digitalisierung zahlt, setzen sie ihre Gesetze hoch.

Und so sehr ich die Proteste auch verachte: Aus meiner Sicht sollte jeder frei entscheiden können, wann er wogegen protestieren möchte! Und nicht als Schüler eingeschränkt sein… Denn sonst habe ich einen Top-Tipp, der uns allerdings in die vorgewerkschaftliche Zeit zurück versetzt: Einfach allen Arbeitern auch ein Streikverbot vorlegen – dann steht kein Zug mehr still….

Mit unserem Grundgesetz ist das mitnichten vereinbar, aber das scheint so ja auch keinen zu stören. Und wofür haben wir diese tollen Gesetzestexte. Hätten wir sie nicht, wären wir jetzt vielleicht in Venezuela und würden gegen eine Diktatur protestieren. Doch wenn man sich die Welt anschaut: Irgendeinen Grund zum Protestieren gibt es wohl immer, und ist es nur dieses einzigartige und tolle Gemeinschaftsgefühl….

Geschrieben von Huba Too am 03.02.2019