Die schräge Geschichte einer Bipolaren Störungen

Es ist nicht bequem, Gefühle wissenschaftlich zu bearbeiten.

~ Sigmund Freud

Menschliche Interaktion beruht auf einem Haufen Emotionen. Sie werden umhergeschleudert und sie lösen Reaktionen aus.

  • Ärger / Wut
  • Angst
  • Ekel
  • Freunde
  • Liebe
  • Scham
  • Traurigkeit
  • Überraschung

Das sind die sogenannten „Grundlegenden Emotionen“. Jedes Gefühl das wir spüren lässt sich auf eines dieser Grundlegenden Emotionen zurückführen. Dazu gibt es noch die Beiden Obergruppen von guten und schlechten Emotionen. Bei einem Song den wir lieben fühlen wir uns ausgelassen und gut. Wenn uns aber Schlagermusik über die AUX Kabel unserer Anlage quält schüttet unser Gehirn das Stresshormon Cortisol aus. Wir Ekeln uns.
Zugegeben sind meine Beispiele nicht auf die Oktoberfeste zu beziehen, jedoch sollte das Grundprinzip von Emotionen nun klar sein.

Was wäre aber wenn die guten und schlechten Emotionen sich nicht mehr richtig auf einer ausgiebigen Skala äußern lassen und der Mensch sich entweder extrem Glücklich oder extrem Unglücklich fühlt. Willkommen in den unentlichen Tiefen der Biplolaren Störung.

Es kommt, durch eine bisher ungeklärte Weise, zu einer Störungen im Gehirnstoffwechsel und die Regulierung von Hormonen bricht komplett zusammen. Dadurch kommt es dazu, dass eben diese glücklichen und niedergeschlagenen Emotionen komplett ungebremst ausbrechen. Jedoch tritt dies nicht plötzlich sondern in Phasen auf.

Es ist nicht so das ein Mensch auf eine gute Nachricht manisch reagiert und auf eine schlechte beinahe depressiv. Der Betroffene durchlebt nun Phasen indenen er entweder eine Zeit lang manische oder eine Zeit lang depressive Episoden durchlebt.

Hier eine genauere Erläuterung über diese Episoden:


Manische Episoden

Eine manische Episode zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass der Erkrankte ausgelassen ist. Die Stimmungslage ist gehoben, der Betroffene ist sehr aktiv und dazu sehr unruhig. Man hat das Gefühl alles zu schaffen und das Selbstbewusstsein steigt ins unermessliche. „Gar nicht so schlecht“ denkt man da doch, jedoch äußeren sich die Negativen Folgen dieser Episode infolge von wirtschaftlichen und emotionalen Schädigungen für den Betroffenen. Folgende Unterteilung gibt es für diese Krankheit:

  • Hypomanie

  • Manie ohne psychische Symptome

  • Manie mit psyschischen Symptomen

Hypomanie

  • leichte Ausprägung
  • Keine Halluzinationen oder Wahn
  • Gesteigerte körperliche Fähigkeiten
  • geringeres Schlafbedürfnis
  • Schwierigkeiten sich zu entspannen
  • Aufgeputschte, extrovertierte Person
  • Nicht besonders schädlich

Manie ohne psychische Symptome

  • Stimmung schwankt zwischen sorgloser Heiterkeit und Erregung
  • soziale Hemmungen gehen verloren
  • Probleme die Aufmerksamkeit für etwas aufrechtzuerhalten
  • extrovertierte Persönlichkeit
  • Gedanken werden ohne Hemmung ausgesprochen
  • Wahnemungsstörungen z.B. bei Farben
  • Detailblick, für Flächen oder Farben
  • extrem unpassendes Verhalten
  • Mit Geld und Menschen wird leichtfertig umgegangen
  • komplettes Leben im Moment, keine Gedanken an die Auswirkung
  • erste Episode meist zwischen 15. und 30. Lebensjahr

Manie mit psychischen Symptomen

  • extreme Selbstüberschätzung und Größenideen können in Wahn enden
  • aus Reizbarkeit und Misstrauen kann sich ein Verfolgungswahn entwickeln
  • Ideenflucht und Redewahn können dazu führen, dass der Betroffene nicht mehr verstanden wird
  • Ausgeprägte und anhaltende körperliche Aktivität und Erregung können in Aggressionen und Gewalttätigkeit enden
  • Vernachlässigung von Nahrungsaufnahme und persönlicher Hygiene kann zu Dehydration und Verwahrlosung führen
  • Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen

Der erste Gedanke mit „ist doch gar nicht so schlecht“ kippt hier sehr schnell. Aus eigener Erfahrung im Klinikalltag haben manische Patienten sich oft unmögliche Projekte aufgetan und wollten entscheidende Sachen an ihrem Leben ändern. Da sie, aufgrund ihrer Erkrankung, dazu nicht im Stande waren sorgten diese unvollendeten Projekte für eine große Unzufriedenheit als es wieder in die Depressive Episode ging.


Depressive Episode

Nun sind wir in den abgründen der Menschlichen Gefühle angekommen. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben depressive Episoden. Diese sind, je nach Situation und Variabilität (bezeichnet die „Verwundbarkeit“ oder „Anfälligkeit“ eines Menschen) unterschiedlich stark. Doch für einen Menschen mit Bipolarer Störung endet diese Episode nicht mit Besserung. Er rutscht in eine entspannte Zwischenepisode ohne Manie oder Depressionen oder direkt wieder in eine manische Episode. Auf jeden Fall wird er später wieder in eine Depressiven Episode gleiten.

Depression bedeutet nicht Trauer, sie bedeutet nicht Angst. Wenn Menschen heutzutage den Begriff verwenden ist ihnen oft nicht die richtige Definition vertraut: Depression bedeutet absolute Gefühlslosigkeit. Das einzige was man besitzt ist der Wunsch etwas zu fühlen und der dadurch geprägte Mensch neigt zu 15% zu Suizid.

Auch hier gibt es verschiedene Phasen.

  • Leichte Depression

  • Mittelgradige Depression

  • Schwere Depression

Leichte bis Mittelgradige Depression

  • Gedrückte Stimmung
  • Interessensverlust, Freudelosigkeit
  • Verminderung des Antriebs, erhöhte Ermüdbarkeit
  • Führt zu Aktivitätseinschränkung
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • Negative und Pessimistische Zukunftsperspektiven

Mittelgradig bis Schwere Depression

  • Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidalhandlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit
  • Gewichtsverlust
  • Interessensverlust/Verlust der Freude an „angenehmen“ Aktivitäten
  • Mangelnde Fähigkeit emotional zu reagieren
  • Frühmorgiges erwachen (zwei oder mehr Stunden vorher)
  • Morgentief
  • Deutlicher Libidoverlust

Es ist aber nicht alles grau! Ja es stimmt, dass Menschen mit einer bipolaren Störung sehr geringe Heilungsmöglichkeiten haben. Jedoch können die Meisten lernen mit ihrer Krankheit zu leben. Und selbst wenn nicht… Ich kann aus meiner Erfahrung ebenfalls sagen das selbst die schlimmsten Fälle durch Medikamente deutlich verbessert werden können. Und hier in Europa sind die Kliniken sehr gut in der Pflege und im Umgang mit psychisch Kranken.

Trotz der Krankheit ist ein angenehmes Leben möglich.

 

Ich hoffe das ich mit diesem kleinen allgemeinen Artikel ein bisschen Helfen konnte beim Verständnis psychischer Krankheiten zu helfen. Als ein Freund mir nach einem Vortrag über PTBS sagte: „Ich persönlich glaube ja nicht an psychische Krankheiten“ – als sei es ne Religion – bekam ich das dringende Bedürfnis Menschen aufzuklären.

Dieser Artikel beruht auf einigen Quellen die in der Folge verlinkt werden. Jedoch liste ich hier vor allem Wissen aus meinen persönlichen Erfahrungen auf. Da ich – noch – kein Medizinstudium begonnen habe kann ich leider nicht in dem Ausmaß über dieses Thema informieren wie ich es gerne hätte, aber ich hoffe das manche Leser dennoch klüger geworden sind.

 

Primärquelle: Freyberger, Harald J. / Dilling, Horst: Fallbuch Psychiatrie. Kasuistiken zum Kapitel V (F) der ICD-10. Bern: Verlag Hans Huber, 1993.

Sekundärquelle: Möller, HansJürgen / Laux, Gerd / Deister, Arno: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme, 201

Internetquelle: https://www.netdoktor.at/krankheit/bipolare-stoerung-7526

 

~ Gez. Justus L. Theiling am 25.11.2018