Smalltalk

Und? Wie ist das Wetter so?

Naja, etwas windig und man sieht doch schon, dass nun endgültig Herbst ist. Aber besser als in Kalifornien, wo Kilometer an Land lichterloh brennen.

Doch mich persönlich nervt Smalltalk immer ein wenig. So finde ich, dass man immer gleich zur Sache kommen kann – das spart Energie, Worte und, ganz ehrlich, wirklich Bock auf Smalltalk hat man doch auch nicht.

Ein richtiges Ereignis in dieser Woche war etwa das Gedenken an die letzten 100 Jahre, die seit heute alle ohne den ersten Weltkrieg waren. In ganz England waren viele Menschen unterwegs und zündeten Lichter an. In Deutschland gab es Gedenkveranstaltungen. In Frankreich wurden die größten Veranstaltungen durchgeführt und der dortige Präsident Emmanuel Macron lud etliche Staats- und Regierungschefs zu der Gedenkveranstaltungen an DEN Ort des Schreckens im ersten Weltkrieg ein: Verdun.

Passend zum Thema Krieg war auch das Wetter typisch November. So gab es Nieselregen und kalte Temperaturen. Aber dagegen kann man sich ja eigentlich anziehen! Oder etwa nicht?

Denn ein Staatsoberhaupt fehlte am Ort des Geschehens: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump war nicht da.

Ehrlich gesagt wollte ihn als Person wahrscheinlich auch keiner da haben, erst Recht nach seiner erneuten Kritik an verschiedenen EU-Plänen. Aber dieses ehrwürdige Amt hat schon gefehlt. Und das nicht aufgrund der schlechten Wahlergebnisse in den Midterm-Wahlen. Und auch nicht aufgrund der innenpolitischen Probleme in den USA, wie etwa der noch nicht mal richtig begonnen Mauer zu Mexiko.

Nein, der eigentliche Grund ist viel profaner und gehört in ein echtes Gespräch eigentlich nicht einmal: Das Wetter war zu schlecht. Dieses absolute Smalltalk-Thema reicht ihm schon aus, um fern zu bleiben.

So gedenken wir Millionen von Toten. Deutschen. Franzosen. Russen. Aber eben auch Amerikanern. Amerikaner, die bei Dauerregen in den Schützengräben verharrten, die sich einem dauernden und feigen Krieg stellen mussten. Amerikaner, die wesentlich für die Materialschlacht mitverantwortlich waren. Amerikaner, die vergiftet und abgeschlachtet wurden. Tausende Amerikaner, die in anonymen Massengräbern liegen und deren Familien von ihnen nichts mehr sehen konnten. Tausende sind gestorben. Sie haben sehr kalte Winter durchlebt und ihr Land dort verteidigt, wo es absolut nicht liegt.

Diese Menschen sind Helden. Krieg ist etwas Abscheuliches, aber ich habe tiefsten Respekt vor jedem, der patriotisch für sein Heimatland kämpft. Leider wird dieser Respekt von Trump wohl nicht geteilt.

Denn es gibt Menschen, die mussten Schlimmes erleiden. Trump hat sein Land niemals verteidigt, Trump hat sein Vermögen niemals nach dem American Dream aufgebaut. Das einzige was er hat, ist die Missachtung von echten Patrioten in einem patriotisch geprägten Land wie den USA. Was er hat ist das Zerstören von Lebensträumen der Menschen, die aus Mittelamerika geflohen sind. In ein Land gehen wollten, welches für Jahrhunderte als weltoffen und einwanderungsfreundlich galt.

Die Populisten machen alles kaputt. Ich will keinen Krieg! Und wer weiß, ob man sich eines Tages im guten oder im schlechten Sinne an uns erinnert. Oder man tut es nicht. Vielleicht war ja das Wetter zu schlecht oder das WLAN nicht erreichbar…

Geschrieben von Huba Too am 11.11.2018