Früher war alles besser

Ich lebe in einer scheußlichen Generation. Immer nur auf Handy schauen, laut sein, Party machen und kein Respekt mehr vor Älteren.

Das höre ich oft. Aber stimmt das überhaupt? Inhaltlich sicherlich nicht komplett falsch, wobei ein paar Sachen doch nicht passen können.

Nehmen wir erstmal den Ausdruck einer Generation: Was ist das überhaupt? Klar, meine Eltern sind eine Generation vor mir, meine Großeltern eine vor ihnen und so weiter. Und doch habe ich nun schon häufiger gehört, dass auch Leute, die nur dank RTL2 „Teenie-Mütter“ im Alter meiner Eltern sein könnten diese Klagen von sich geben. Und was den Respekt vor Älteren angeht: Ich selbst bemängle dies schon bei den Jüngsten auf unserer Schule. Und ich bin sicher nicht soooo viel älter.

Es muss also etwas anderes sein. Ich denke, es geht hier um ein Lebensgefühl. Um das Gefühl, etwas gefunden zu haben, wo man sich Zuhause fühlt und geborgen. Und damit meine ich gar nicht den physischen Ort. Ich rede von einem psychischen Zuhause.

 

Von einer Beziehung oder einer Tätigkeit, die einem Ruhe verschafft.

Wer dies noch nicht hat, der probiert, es zu erreichen. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch nach dieser Art von Zuhause strebt. Und bis dahin muss man seine Grenzen austesten: Wie weit kann ich gehen, womit kann ich imponieren.

Im Tierreich reicht oft gutes Aussehen – besonders bizarre Formen oder unglaublich betörende Schönheit. Vielen reicht dies beim Menschen auch. Doch was man nie vergessen darf: Im Tierreich gibt es Tiere, die ein Leben lang zusammen halten – aber viele schauen sich danach auch mit dem Arsch nicht mehr an und es stört absolut keinen…

Das ist beim Menschen anders. So laut er doch ist, während er auf der Suche nach seinem Zuhause ist, so verschlossen und einsam ist er, wenn dieses wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.

Viele Menschen mussten diese Erfahrung längst machen. Und sind oft darüber hinweg gekommen.

Doch bevor man sich in der Seele und dem Herzen einer Tätigkeit oder eines anderen Menschen verschreiben kann, muss man wissen, was man kann, will und was realistisch ist. Und das muss nicht mit den Maßstäben von anderen Generationen übereinstimmen – sondern muss zu der eigenen Individualität passen.

Das Konzept ist nicht neu. Was wäre die 68-Bewegung als systemkonforme, ruhige Abnicker? Wo wären Techno oder die Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Ehen ohne das neue Stimmen laut geworden wären?

 

 

Jeder sollte selbst entscheiden, was er für wichtig erachtet – wofür er sich einsetzen möchte. Die Aufgabe anderer – älterer – Generationen besteht hierbei darin, diese Entscheidungen zu unterstützen und mit dem einzigen echten zu helfen, was sie einem voraus haben. Und dies ist eben nicht der erhobene moralische Zeigefinger, sondern die Lebenserfahrung.

Denn diese Phasen hat jeder einmal – stärker ausgeprägt oder doch schwach – gehabt. Das ist die Natur des Menschen. Und zwar seit mehr als 3.000 Jahren. Und das Ausleben dieser Zweifel, dieser Gefühle, dieser Suche nach Zuhause – es ist endlich nicht mehr zu verheimlichen. Ein Erfolg – und damit besser als noch vor 100 Jahren. Früher…

Geschrieben von Huba Too am 27.10.2018

Früher war alles besser