Der Stein des Weisen

Wir sind das Volk!

Das brüllt eine Herde von Menschen, die sich gemeinsam in Chemnitz versammelt, um eben dieses zu verraten: Das deutsche Volk!

Ein Volk, was bunt ist. Ein Volk, was offen ist. Und nicht ein Volk, was sich nicht anständig benehmen kann.

Früher war alles besser, heißt es so oft. Doch was war wirklich besser? Die Abermillionen Tote im Laufe des zweiten Weltkrieges, welchen wir aufgrund genau solcher Deppen begonnen haben? Oder die Zeit, als alle Bösen die Kommunisten im Osten waren?

Vielleicht auch nicht. Denn gerade in dieser Woche ist es wieder der Fall, dass sich Menschen aus ganz Deutschland vor dem in Stein gehauenen Kopf von Karl Marx treffen, um gegen Ausländer, Juden, Behinderte und alle weiteren Randgruppen zu hetzen. Geht es euch damit besser? Glaubt ihr echt, dass ihr damit die Stimme des Volkes seid?

Ich sage euch etwas: Ihr demonstriert vor der Büste einer wichtigen deutschen Person. Und wir reden nicht von der rechten Gesinnung eines Adolf Hitlers, sondern von der linken Gesinnung Marx. Jeder Mensch ist gleich ist nicht nur Teil des deutschen Grundgesetzes, sondern die zentrale These von Marx.

Und doch wollen ein paar Eingebrannte dieses Land hinterrücks verraten.

Vor drei Jahren sagte unsere Regierungschefin

Wir schaffen das!

und ich habe niemals daran gezweifelt. Weil ich dachte, dass es um die Integration von Menschen geht. Nicht um bloße Zahlen. Menschen mit Einzelschicksalen. Viele haben etwas erlebt und gesehen, was wir uns – zum Glück – nicht einmal vorstellen können. Und doch wird gegen genau diese Personen gehetzt.

Wie würde es aussehen, wenn die Personen selbst in die Lage kommen, in ein anderes Land gehen zu müssen. Ich weiß schon, dass eigentlich nur die Gebildeten die Flucht aus Syrien oder anderen Krisenregionen auf sich nehmen – und damit passen nicht nur die Parolen nicht, sondern die Demonstranten hätten keine Chance auf eine Flucht. Denn wenn man so blöd sein kann, sich vor einer „Überbevölkerung“ oder einer „Islamisierung“ zu fürchten, dann ist das nächste Ziel eines Anschlags sicher auch Frau Holle, damit diese Sommerhitze ein Ende findet.

Wenn man etwas gegen diese Leute tun will, dann könnte man ja andere Wege gehen. Vielleicht sollte sich einer AfD-Pegida-ProDeutschland-Delegation mal auf den Weg nach Syrien machen und ein ernstes Gespräch führen:

Ey, IS, sagt mal, wir wollen nicht so viele Ausländer bei uns. Könnt ihr nicht mal hier gehen, damit die in ihr Land zurück können? Das wär echt supernett. Und macht euch nichts draus, wir verteidigen ja nur die christlichen deutschen Werte…

Da können sie sich aber mal was anhören. Ich bezweifle, dass die Anhänger des Islamischen Staates sie auf zwei Unstimmigkeiten aufmerksam machen:

  1. Diese Rechten sind auch Ausländer. Nicht nur in Syrien, sondern ihrem Verhalten nach zu urteilen auch in meinem unserem Land. Denn ich möchte solche Leute nicht als Deutsche bezeichnen, sondern als Deppen!
  2. Die Anhänger des IS kämpfen für einen Gottesstaat. Unserer wird seit 13 Jahren von der Christlichen Partei Deutschlands regiert. Also, entweder bringen die Delegierten die Leute vom IS mit, um ihnen zu zeigen, dass es mit „Volksverräterin“ Merkel nicht lohnt, für dieses zu kämpfen, oder ihnen wird einmal erklärt, was religiöse Werte sind.

Denn sonst leben wir weder in einer Wertegemeinschaft, noch in einem kommunistischen/kapitalistischen oder sonst einem wirtschaftlichen System. Wenn diese Leute weiter Gehör bekommen leben wir – und da stimme ich ab dem Zeitpunkt mit ihnen überein – in einem SCHEIßSYSTEM!

Geschrieben von Huba Too am 02.09.2018